Barfuß Gehen Im Winter

Achtsamer Umgang mit unangenehmen Empfindungen: Fast Barfußgehen im Winter

Heute möchte ich dir eine Übung aus dem Natur-Mentaltraining vorstellen, mit der du einen achtsamen Umgang mit unangenehmen Situationen und Empfindungen trainieren kannst. Dafür nutzt du ganz einfach die körperliche Erfahrung des Barfußgehens. Und wie du an dem Foto siehst, kannst du das sogar jetzt im November machen. Dann ist es zwar kein reines Barfußgehen, aber du spürst trotzdem wunderbar den Boden mit all seiner Beschaffenheit unter deinen Füßen und musst nicht warten, bis die Temperaturen wieder sommerlich sind (die Plastiktüten verwende ich übrigens weiter ;)).

Und darum geht es in der Übung:

Die menschliche Fußsohle ist mit zahlreichen Nervenenden ausgestattet und deshalb hochsensitiv – sowohl für wohltuende als auch für schmerzhafte Empfindungen. Gerade in unwegsamem Gelände kann somit jeder Schritt zu einer Herausforderung werden und deine ganze Aufmerksamkeit fokussiert sich auf die Wahrnehmung der Bodenbeschaffenheit, die Rückmeldung deiner Fußsohle, das Suchen nach der nächsten möglichst angenehmen Trittmöglichkeit. Das Fühlen mit den Füßen macht dich langsamer, vorsichtiger und bringt dich in den direkten Kontakt mit der Erde. Gleichzeitig verlangt es einen sofortigen Umgang damit und kann sehr gut stellvertretend stehen für schmerzhafte oder unangenehme Wahrnehmungen des alltäglichen Lebens.

So kann es eine interessante Erfahrung für dich sein, dass bewusst wahrgenommener Schmerz auf Dauer vertrauter und erträglicher wird – so wie die vielen kleinen, zuerst als Nadelstiche empfundenen Piekser irgendwann schon zu einer fast angenehmen Reizung der Fußsohle werden. Oder die Erkenntnis, dass eine unangenehme Erfahrung auch vorübergeht und wir nicht daran anhaften müssen – so wie ein spitzer Stein kurz weh tut, aber keine Verletztung hinterlässt und der weiche Boden danach sich wieder so gut anfühlen kann.

Vorbereitung

Du brauchst ein Paar dicke Socken und irgendetwas, was du darüber ziehen kannst und die Feuchtigkeit abhält. Desweiteren eignet sich ein Gelände mit abwechslungsreicher Oberflächenbeschaffenheit, wie z.B. Waldboden, Gras, Wasser, Steine, Kies oder Sand. Je abwechslungsreicher, desto spannender. Alternativ kannst du diese Übung auch in erträglich kaltem Wasser wie einem See, Bach der Fluss durchführen. Das wird zu der jetzigen Jahreszeit allerdings etwas schwieriger :).

Ablauf

Wenn du gehst, ist es wichtig, dass du dich genau beobachtest und wahrnimmst: deine Körperempfindungen, Gedanken und Gefühle. Der Weg wird angenehme und weniger angenehme Passagen beeinhalten. Vielleicht startest du mit einem weichen Untergrund, um dich erst einmal daran zu gewöhnen, denn manch ein Fuß kann sehr empfindlich sein.

Dann suche dir einem Untergrund, der durchaus auch unangenehme Stellen wie z.B. spitzere Steine, pieksenden Ästchen oder Ähnliches aufweist. Achte jetzt ganz darauf, was passiert, wenn es unangenehmer wird und verweile ruhig auch einmal darin. Was passiert? Kommt vielleicht ein Impuls, schneller zu gehen, dich zu ärgern, die Übung als unsinnig zu betrachten? Oder der Wunsch, die Schuhe wieder anzuziehen und abzubrechen?

Jetzt lass es noch etwas intensiver werden… Bleibe länger stehen, wenn es unangenehm wird. Was passiert, wenn du deine Aufmerksamkeit ganz bei dem Pieksen, Drücken oder Stechen lässt, sobald du auf etwas Schmerzhaftes trittst? Wo an der Fußsohle spürst du die Empfindung, wo nicht? Lässt das Gefühl vielleicht nach einer Weile etwas nach? Oder wird es stärker? Jetzt atme genau dorthin, wo es vielleicht ein wenig weh tut – ein und aus, ein und aus, ein und aus. Achte darauf, ob das unangenehme Gefühl weniger wird und vielleicht sogar ganz aufhört. Oder ob es zuviel wird und du dich von der Stelle löst.

Wenn du magst, gehe so eine Strecke von 20 – 30 Minuten und lass die Übung dann nachwirken. Zieh einfach deine Schuhe an und mache einen kleinen Anschlussspaziergang, um darüber nachzudenken. Wie waren deine unwillkürlichen Reaktionen auf das Unangenehme? Was hast du automatisch gedacht, gefühlt und welche Handlungsimpulse hast du wahrgenommen?  Und dann überlege einmal, was dies mit deinem Alltag zu tun haben könnte. Wie gehst du da mit  Situationen um, die sich nicht anfühlen oder sogar weh tun? Schaust du sie dir an und lässt dir Zeit, damit umzugehen? Oder reagierst du automatisch, tust sie weg, drückst sie weg? Was könntest du vielleicht anders machen?

Ich habe aus dieser Übung mitgenommen, dass ich mir unangenehme und auch schmerzhafte Dinge ruhig einmal näher anschauen und auch aushalten darf. Ich kann ausprobieren, wie es mit bewusstem Atmen ist in solchen Situationen. Ob mir das dabei hilft, sie vielleicht als weniger schmerzhaft wahrzunehmen. Auch um zu erkennen, dass sie dann meist vorübergehen und vorbeiziehen. Außerdem hilft mir das genaue Hinspüren, auch meine Grenzen besser wahrzunehmen. Zu erkennen, wo sie wirklich liegen und wann es zuviel wird. Wie beim Tritt auf einen spitzen Stein, wenn ich dann trotz „Hinatmens“ irgendwann einfach nur noch schnell weitergehen möchte.

Und nun wünsche ich dir achtsames Entdecken – deiner Selbst und der wunderschönen Natur!