Interlaken Tun 12

Selbstmotivation und Zielerreichung

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[Erkenntnisse einer Wanderung – Teil 4]

Nach einer erholsamen Übernachtung in Interlaken stehen mir noch zwei Tagestouren am Nordwestufer des Thuner Sees bevor. Das Problem ist nur – für morgen ist Regen vorhergesagt – und zwar so richtig.

Wenn ich es mir recht überlege, habe ich dazu nicht wirklich Lust – einen ganzen Tag im Regen zu marschieren – und ich denke über Alternativen nach. Ich hätte natürlich die Möglichkeit, einen Bus als Ersatz für die letzte Etappe zu nehmen. Das allerdings würde meine Wanderehre ziemlich verletzen. Aber ich sehe da noch eine zweite Möglichkeit. Warum nicht zwei Tagesetappen zu einer machen? Das haben schon ganz andere geschafft, außerdem gehts mir gut, ich habe prima geschlafen und gefrühstückt, es ist noch früh am Morgen und die Wettervorhersage passt. Also – der Entschluss ist gefasst. Für heute stehen 40km an.

Abgesehen davon, dass ich zu Beginn der Route parallel zur Autobahn marschieren muss, was nicht gerade zu meiner Wanderlaune beiträgt, läuft alles gut. Ich finde den Weg und komme zügig voran. Irgendwann gegen späten Mittag wird mir jedoch bewusst, dass ich noch nicht einmal die Hälfte des Weges hinter mich gebracht habe. Um 20.30 geht der letzte Zug zurück und den muss ich schaffen. Das bedeutet, viel Zeit für Pausen ist nicht da und ich fange langsam an zu kämpfen. Am schlimmsten ist der sehr schwere Rucksack. Meine Schultern schmerzen, die Hüfte auch.

Aber Aufgeben kommt für mich nicht in Frage. Ich fange nur ernsthaft an darüber nachzudenken, was ich tun kann, um den Weg zu schaffen. Da ist natürlich zu erst einmal das Bemühen, es weniger schmerzhaft zu machen. Ich polstere mir die Schultern mit all dem, was mir in meinem Rucksack zur Verfügung steht. Kamera weg vom Hals, das interessiert nicht mehr. Und trotzdem wird jeder Kilometer immer zäher und die Sonne brennt.

Selbstcoaching als Rettung

Ich überlege mir, wie ich sonst mit meinen Coachees arbeite. Da geht es in erster Linie natürlich darum, Ziele klar zu formulieren und in kleinen Schritten loszugehen. Wow, das ist eine gute Idee! Ich stelle den Wecker meines Handys, der nun alle 60 Minuten klingelt. Dann darf ich 10 Minuten Pause machen – mit einer Kleinigkeit zu Essen, zu Trinken und Rucksack runter. Wenn ich das durchhalte, müsste ich hochgerechnet mein Ziel „20.30 Uhr in Thun“ schaffen.

Ja, das hilft. Die übersichtlichen Etappen machen es erträglicher für mich und vor allem sehe ich die kleinen Erfolge. Hätte ich formuliert: Nur noch 6 Stunden bis Thun und Pausen wenn es nicht mehr geht, wäre es viel weniger griffig gewesen und der erste (und einzige) Erfolg hätte sich erst am Endziel eingestellt – oder eben dann auch nicht.

Selbstmotivation durch Visualisierung des Ziels

Neben dem Weg der kleinen Schritten ist es mir auch immer wichtig, dass meine Klienten ihr Ziel visualisieren. Sei es mit Collagen, konkreter bildhafter Beschreibung oder anderen kreativen Methoden. Na, das könnte ich dann ja auch mal probieren. Und es funktioniert. Immer, wenn die Motivation nachlässt, rufe ich mir Bilder vor Augen: Bilder vom Thuner Bahnhof, wenn ich in den Zug steige. Ein Bild, in dem ich anderen stolz von meiner letzten Etappe erzähle und das Bild, wenn ich erschöpft aber glücklich am späten Abend mit dem Zug am Bodensee eintreffe.

Was hat mich noch motiviert und mir geholfen, durchzuhalten? Ganz sicher die Gewissheit, dass es irgendwie machbar ist, mein Ziel zu erreichen. Zwar unter großer Anstrengung, aber machbar. Geholfen haben mir die Pausen, ohne dem wäre es nicht gegangen. Und seien sie noch so klein und oft gewesen. Und sehr häufig habe ich ausschließlich an den Moment gedacht: Was kann ich genau in dieser Sekunde tun, damit ich irgendwie durchhalte? Was würde mir genau jetzt helfen?

Nicht zuletzt war da auch der Stolz: Schließlich hatte ich ja am Morgen per Telefon von meinem Vorhaben erzählt.

Coachingimpuls

Das können Sie tun, um motiviert zu bleiben und Ihr Ziel erfolgreich zu realisieren

  • Formulieren Sie Ihr Ziel klar und deutlich
  • Überprüfen Sie, ob das Ziel realistisch ist
  • Teilen Sie den Weg zum Ziel in überschaubare Einheiten auf und gehen Sie in kleinen Schritten
  • Feiern Sie Ihre Erfolge!
  • Freuen Sie sich über jeden Schritt, den Sie schaffen
  • Fokussieren Sie sich auf das Wesentliche und auf das, was im Moment sinnvoll ist
  • Malen Sie sich ihr Ziel in den schönsten Bildern aus – entweder real oder in Ihrer Vorstellung
  • Gönnen Sie sich Pausen – egal wie lang der Weg ist
  • Reden Sie über Ihre Ziele

 

Bilder zu der Wanderung – Von Interlaken nach Thun

 

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