Sein In Der Natur 1

Teil I: Geh in die Natur und werde gesund

Zum Start in das neue Jahr möchte ich dich motivieren, mehr Zeit draußen zu verbringen. Ich möchte für die Heilkraft der Natur werben – in Form von mehr Sein und Bewegung in der Natur. Gehörst du auch zu den Menschen, die zwar wissen, wie gut ein Spaziergang an der frischen Luft tut und trotztdem viel zu oft und zu lange drinnen hocken, anstatt für eine Stunde durch den nächstgelegenen Park oder Wald zu gehen?

Dann habe ich hier einige Argumente für dich, die dir vielleicht helfen, die Schuhe anzuziehen und rauszugehen! Heute fasse ich für dich zusammen, wie und warum alleine schon ein Aufenthalt – also das Sein – in der Natur förderlich für deine Gesundheit ist. In meinem nächsten Beitrag (der bald folgt) wird es dann um die positiven Effekte gehen, wenn du dich regelmäßig draußen bewegst.

Fakten überzeugen und motivieren

Mir hilft und mich motiviert es, neben meinen eigenen Erfahrungswerten auch Fakten zu kennen, was mir und meiner Gesundheit konkret gut tut. Seitdem ich zum Beispiel weiß – und das ist noch gar nicht so lange her – dass alleine das Einatmen von Waldluft mein Immunsystem stärkt, indem es die Anzahl meiner natürlichen Killerzellen wachsen und aktiver werden lässt, gehe ich viel öfter einfach auch nur mal Spazieren. Dazu musst du wissen, dass es für mich bislang kaum etwas Langweiligeres als „Spazierengehen“ gab – wenn draußen sein in der Natur, dann hieß das ausschließlich Joggen oder Wandern für mich!

Weisheit der Antike

„Es ist die Natur, die den Menschen heilt“  – davon war schon 400 v. Chr. Hippokrates von Kos überzeugt der wohl bekannteste Arzt der An­tike. Er wusste um die Kraft der Natur für den Prozess der Heilung und gemäß seines Paradigmas wurden bereits im alten Grie­chenland Kliniken mit groß angelegten Gärten ge­baut, in denen sich die Patienten im Rahmen ihrer medizini­schen Behandlung aufhalten und bewegen sollten.

Aktueller Stand der Wissenschaft

Um mit empirischen Studien belegen zu können, was die Ärzte der Antike anwendeten, untersuchen heute erfreulicherweise immer mehr Wissen­schaftler weltweit die gesundheitsfördernden Aspekte eines Aufenthalts in der Na­tur:

So haben in einer im Juli 2018 in England durchgeführten Meta-Studie Wissenschaftler von der Norwich Medical School den langfristi­gen Effekt des Grüns auf Menschen vorgestellt. Ausgewertet wurden 140 empirische Studien, an denen insgesamt 290 Mio. Menschen aus 20 Ländern teilgenommen haben. Als Fazit haben die Forscher eine ganze Palette von Krankheiten benannt, auf die ein Aufenthalt in freier Natur oder im Stadtgrün nachhaltig heilend oder gesundheitsfördernd wirkt.

In Japan etwa ist das Einatmen der Waldatmosphäre – Shinrin Yoku -, mittlerweile eine offiziell anerkannte Methode zur Vorbeugung und unterstützenden Behandlung von Krankheiten, wird dort vom staatlichen Gesundheitswesen gefördert und an Japans medizinischen Universitäten und Kliniken erforscht und durchgeführt.

Und im Ostseebad Heringsdorf auf Usedom ist übrigens 2016 ein 180 Hektar großer „erster europäische Kur- und Heilwald“ eingeweiht worden.

Was davon kannst du im Alltag nun konkret für dich und deine Gesundheit nutzen?

Natur sehen

Wenn du zum Beispiel unter (chronischen) Schmerzen leidest oder einen körperlichen Heilungsprozess beschleunigen möchtest – hilft dir alleine schon, etwas Natur zu sehen! Das kann aus deinem Fenster sein, können Bilder, Geräusche oder Filme sein oder natürlich auch der tatsächliche Aufenthalt draußen. Schon 1984 wurde in der Science, der bedeutendsten naturwis­senschaftlichen Fachzeitschrift, eine durchschlagende Studie von Professor Roger Ullrich veröffentlicht, die eine beson­dere Heilkraft der Natur belegt: Nur der Ausblick aus dem Fenster eines Krankenzimmers hinaus ins Grüne und auf Bäume hatte das Schmerzempfinden der Patienten nach einer Operation so verringert, dass sie weitaus weniger Schmerz­mittel benötigten und eine deutlich beschleunigte Heilung beobachtet wurde. Eine Er­klärung für diese Phänomene ist, dass der Blick auf Natur und vor allem auch der direkte Aufenthalt in der Natur mit natürlichem Licht zu einer vermehrten Ausschüttung von Sero­tonin führt. Das Hormon wirkt im Zentralnervensystem und hemmt unter anderem die Übertragung von Schmerzimpulsen.

Klimareize

Wenn du dich in der freien Natur aufhältst, bist du immer bestimmten klimatischen Bedingungen ausgesetzt, die dein Immunsystem stärken und regional-, jahreszeiten-, tages- sowie wetterbedingt unterschiedlich intensiv gesundheitsför­dernd sind. Dein Immunsystem ist ein komplexes System und indem du es stärkst, hilft es dir, Infektions- oder Immunkrankheiten, sondern auch z.B.  Arteriosklerose, Krebs und Depressionen vorzubeugen. Zu den klimatisch bedingten Hilfsfaktoren zählen vor allem kühle Luft und Wind, Sonnenstrahlung, sichtbares Licht, Luftreinheit und die Reduktion von allergenen Stoffen. Durch Kühle und Wind reagiert dein Körper auf den Kältereiz mit gesundheitsfördernden Veränderungen – auch bekannt als „Abhärtung“. Die Sonnenstrahlung (UV-B) regt die Vitamin-D3-Synthese an. Sichtbares Licht (ab 2.500 Lux / im Vergleich: ein trüber Sommermittag hat 10.000 Lux, ein trüber Wintertag 500 Lux ) ist heilsam bei Depressionen und Schlafstörungen. Und ein Klima, das sich durch hohe Luftreinheit und die Absenz bzw. Reduktion von Pollen und sonstigen Allergen auszeichnet, hilft dir, Krankheiten zu vermei­den oder bereits bestehende, auch chronische Krankheiten zu lindern.

Shinrin Yoku – heilsames Waldbaden

Wenn du dich im Wald aufhältst oder bewegst, ist dies besonders förderlich für deine Gesundheit. Das liegt an den winzigen chemischen Molekülen, mit den Pflanzen und Bäume kommunizieren. Die meisten davon gehören zu der Stoffgruppe der Terpene und haben zum Beispiel die Funktion, andere Pflanzen vor Schäd­lingen zu warnen. Wenn du nun durch einen Wald gehst oder einfach nur dort sitzt, nimmst du diese chemischen Moleküle mit deiner Atmung auf und einige der Terpene können auch von deinem Immunsystem entschlüsselt werden, das daraufhin mit einer messbaren Stärkung deiner Abwehrkräfte reagiert, indem die Anzahl der natürlichen Killerzellen zunimmt. Sie sind eine spezielle Form der weißen Blutkörperchen, die durch Viren befallene Blutzellen oder Körperzellen töten. Dasselbe tun sie mit entarteten Zellen, die später zu Krebs führen können oder auch mit Tumorzellen. Das heißt, die natürlichen Killerzellen deines Immunsystems leisten lebenswichtige Dienste für deine Gesundheit.

Stärkung deiner Abwehrkräfte

Nach Professor Qing Li von der Nippon Medical School in Tokio, Japans prominentester Experte zum Thema Waldbaden (auf japanisch Shinrin Yoku), lässt bereits ein Tag im Wald deine natürlichen Killerzellen um 40 Prozent ansteigen. Nach zwei Tage steigt die Anzahl  sogar um mehr als fünfzig Prozent. Je nach Länge des Aufenthalts bleibt die Anzahl der natürlichen Kil­lerzellen sogar noch dreißig Tage lang erhöht. Seine Empfeh­lung: Du brauchst nur einmal im Monat drei Stunden in den Wald gehen, um wirksam Krebs vorzubeugen. Die wissenschaft­lichen Studien haben ebenfalls gezeigt, dass nicht nur die Anzahl der Killerzellen steigt, sondern dass diese zusätzlich auch eine erhöhte Aktivität aufweisen und somit Viren, Bakterien und potentielle Krebszellen effizien­ter aufspüren und eliminieren.

Stressreduzierung

Auch wenn du gestresst bist, hilft dir eine Auszeit im Wald. Studien in Japan haben bei gestressten Menschen nachgewiesen, dass die Höhe des Stresshormon Kortisol im Speichel nach einem Waldspaziergang drastisch gesenkt war. Den gleichen Effekt erreichst du auch, wenn du dich einfach nur im Wald hinsetzt.

Weiterhin konnte mittels Urinproben belegt werden, dass sich ebenfalls der Gehalt des Adrenalins, dem zweiten wichtigen Stresshormon, senkte. Ein Tag im Wald reduzierte bei Männern das Adrenalin um fast 30 Prozent und am zweiten Tag im Wald sogar um 35 Prozent. Bei Frauen sank das Adrenalin am ersten Tag um mehr als 50 Prozent und am zweiten Tag um mehr als 75 Prozent im Vergleich zum Ausgangswert.

Weitere positive Effekte eines Waldbesuchs: ein gesunder Herzrythmus, ein ruhigerer Puls, gesenkter Blutdruck und Blutzuckerspiegel.

Erde dich!

Egal, ob du dich im Wasser, am Strand, im Wald, auf Wiesen und Feldern oder in den Bergen befinden, erden kannst du dich in der Natur immer. Unter Earthing versteht Clinton Ober, Entdecker und Namensgeber der Methode, „mit der Ober­fläche unseres Planeten Verbindung aufnehmen, indem wir auf der Erde sitzen, barfuß stehen oder laufen“.

Beim Earthing oder auch dem Erden geht es darum, über den direkten Kontakt zur (nicht-asphaltierten) Erdoberfläche den naturgegebenen elektrischen Grundzustand des Körpers wieder herzustellen und aufrecht zu erhalten. Die an der Erdoberfläche im Über­fluss vorhandenen negativ geladenen freien Elektronen durchfluten sozusagen den menschlichen Körper, so dass die­ser sein elektrisches Energieniveau an das der Erde anpasst und somit wieder in sein natürliches Gleichgewicht gelangt.

Die Auswirkungen sind laut der Beobachtungen und Untersu­chungen Obers beeindruckend. Im Zusammenhang mit den soge­nannten „freien Radikalen“ kommt es etwa zu einer Verringe­rung oder Heilung von chronischen Entzündungen: die negati­ven Elektronen binden sich an die freien Radikalen und ver­hindern somit, dass diese auf der ständigen Suche nach freien Elektronen nicht nur Krankheitserreger und geschädig­tes Gewebe, sondern auch gesunde Zellen angreifen und somit eine Autoimmunreaktion oder damit verbundene Krankheit ver­ursachen. Weiterhin kommt es unter anderem zur Vorbeugung, Linderung oder Heilung von Herz-Kreislauferkrankungen, chro­nische Schmerzen, Schlafstörungen, Stresssymptomen, hormo­nelle Erkrankungen oder offenen Wunden.

5 einfache Natur-Tipps für deine Gesundheit

  • Auch wenn wenn es regnet, windet und so richtig kalt-usselig ist – geh raus. Das ist genau das richtige Wetter, um dein Immunsystem zu stärken
  • Tanke täglich mindestens 60 Minuten Tageslicht – so bist du besser drauf und schläfst ruhiger
  • Wenn die Sonne scheint, nutze die Vitamin-D-Quelle (natürlich mit dem richtigen Sonnenschutz) – so sorgst du für die Produktion dieses megawichtigen Superhormons in deinem Körpers
  • Gehe regelmäßig in den Wald und atme bewusst und tief ein und aus – stell dir dabei die Terpene vor, die deinen Körper durchfluten und stärken
  • Zieh die Schuhe aus und gehe immer mal wieder barfuß – so sorgst du für einen ausgeglichenes Energieniveau.

Ich hoffe, du hast Lust bekommen, direkt mal etwas auszuprobieren… gute Gesundheit und viel Auftanken in der Natur wünsche ich dir!