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Sinneseindrücke – potentielles Gift für unser Bewusstsein

Hin und wieder mache ich mir den Vorwurf, mich nicht ausreichend mit den Dingen zu beschäftigen, die draußen in der Welt geschehen. Es ist nicht so, dass all dies mich nicht interessieren würde. Im Gegenteil – in regelmäßigen Abständen überkommt mich ein eifriger Enthusiasmus – ich nehme mir vor, die Tageszeitung zu lesen, abendlich die Nachrichten zu schauen und mich mit informativen Beiträgen auf dem Laufenden zu halten. Auch wünsche ich mir manchmal, ich könnte mich am Abend einfach so vom Fernseher berieseln lassen und bei einem beliebigen Film entspannen.

Aber spätestens nach den ersten Kriegsmeldungen inklusive dramatischer Nahaufnahmen, der Nachricht über den tragischen Unfall auf der A3 mit mindesten 4 Todesopfern oder einem Krimi mit wunderbarem Blick auf den Körper des Erschossenen verlässt mich diese Euphorie oder mein guter Wille, es doch einmal zu versuchen. Ich spüre, wie mich Bilder und gesprochene oder geschriebene Worte förmlich in den Boden ziehen, meine eben noch vorhandene Energie und Vorfreude auf den Tag mich schlagartig verlässt. Oder ich niedergeschlagen und mutlos ins Bett gehe. Nicht selten hinterfrage ich dann sogar den Sinn unseres Daseins, wenn doch alles so grausam und schrecklich ist. Die Menschen sich gegenseitig umbringen oder traurige Schickale stattfinden.

Natürlich weiß ich, dass all dies zum Leben dazu gehört. Aber ist es wirklich förderlich, sich diesen negativen Informationen bewusst oder unbewusst auszusetzen? Nutzen wir sie wirklich, etwa um uns weiter zu entwickeln oder sogar einen positiven Beitrag für diese Welt zu leisten? Oder nehmen wir sie nur auf, um uns eine vermeintlich neutrale Meinung bilden, mitreden zu können oder einfach nur, um uns unterhalten zu lassen oder uns von unserem eigenen Leben abzulenken? Und nehmen dafür in Kauf, uns tagtäglich überflüssigen negativen Sinneseindrücken auszuliefern.

Ich habe schon vor langem für mich beschlossen, dass viele von diesen Informationen – ob verbal oder bildhaft – einem freudvollen und positiv ausgerichtetem Leben nicht zuträglich sind und ernte dafür, besonders bei meinen Kindern, nicht besonders viel Zustimmung. Eigentlich gar keine. Ich hinterfrage dann, ob ich zu verbissen und engstirnig bin, zu kompliziert, zu wenig gelassen. Vor etwa 3 Tagen habe ich nun eine Passage gefunden in einem Buch von Thich Nhat Hanh, einem buddhistischen Mönch und weltweit bekannten Zen-Meister, die mir Mut gemacht hat, diesen Beitrag zu schreiben und die das, was ich seit langem fühle und intuitiv lebe, genau auf den Punkt bringt:

Die zweite Art von Nahrung sind die Sinneseindrücke. Unsere sechs Sinnesorgane – Augen, Ohren, Nase, Zunge, Körper und Geist – befinden sich in ständigem Kontakt mit Sinnesobjekten und diese Kontakte werden zur Nahrung für unser Bewusstsein. Wenn wir durch eine Stadt fahren, sehen unsere Augen unzählige Reklametafeln und dass, was sie darstellen, dringt in unser Bewusstsein. Nehmen wir Zeitschriften zur Hand, so füttern Texte und Bilder unser Bewusstsein. Werbung, die unsere Begierde nach Besitz, Sex oder Essen stimuliert. Wenn wir, nachdem wir die Zeitung gelesen, die Nachrichten gehört oder ein bestimmtes Gespräch gehört haben, Angst in uns verspüren oder uns erschöpft fühlen, können wir sicher sein, dass wir Giftstoffe zu uns genommen haben.

Kinofilme und Fernsehprogramme sind Nahrung für unsere Augen, Ohren und unseren Geist. Kinder, die fünf Stunden lang vor dem Fernseher sitzen, nehmen Bilder auf, die die negativen Samen von Begierde, Angst, Wut und Gewalt in ihnen stärken. Wir sind unendlich vielen Formen, Farben, Klängen, Gerüchen, Geschmackseindrücken, Berührungsobjekten und Ideen ausgesetzt, die giftig sind und unseren Körper und unser Bewusstsein um ihr Wohlsein bringen. Es kann sein, dass wir uns verzweifelt, ängstlich oder depressiv fülen, weil wir zu viele Giftstoffe durch unsere Sinnesorgane aufgenommen haben. Nicht nur Kinder müssen vor gewaltverherrlichenden und verderblichen Filmen geschützt werden; auch auf uns können diese Medien einen außerordentlich negativen Einfluss ausüben.

Wenn wir achtsam sind, erkennen wir, ob wir die Giftstoffe von Angst, Hass und Gewalt zu uns nehmen oder ob unsere Nahrung Verstehen, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft gedeihen lässt. Wenn wir achtsam sind, erkennen wir, ob das, was wir sehen, hören oder berühren, uns ruhig und friedlich macht oder ängstlich, traurig und deprimiert. Als Folge werden wir dann wissen, womit wir in Kontakt sein dürfen und welchen Dingen wir aus dem Weg gehen sollten. Wir müssen die entsprechenden Fähigkeiten unseres Bewusstseins aktivieren und einsetzen, um uns vor ungesunden Sinnesobjekten zu bewahren, die uns vergiften können. Wenn du erkennst, dass sie (die Nahrung) giftig ist, lehne es ab, sie anzuschauen, ihr zuzuhören, sie zu schmecken oder zu berühren.“ (aus: Das Herz von Buddhas Lehre / Leiden verwandeln – die Praxis des glücklichen Lebens)

Wenn wir das, was Thich Nhat Hanh hier schreibt, wirklich verinnerlichen, hat dies tiefgreifende Auswirkungen darauf, wie wir leben. Wenn wir achtsam sind im Umgang mit unseren Sinneseindrücken, können wir uns nicht nur bewusst von negativen Einflüssen distanzieren, sondern uns auch gezielt mit einem Umfeld umgeben, das uns uns gut tut und einen positiven Einfluss hat auf unser Denken, Fühlen und Handeln.

Einige konkrete Anregungen dazu möchte ich Ihnen mitgeben – Fragen, die Sie sich im Hinblick auf Ihre alltäglichen Begegnungen mit Sinneseindrücken aller Art stellen können:

  • Wie bewusst gehe ich überhaupt um mit dem, was ich wahrnehme?
  • Wie geht es mir jetzt, nachdem ich diese Information gehört oder gesehen habe?
  • Welche Gedanken gehen mir durch den Kopf?
  • War es der richtige Zeitpunkt dafür?
  • Welche Auswirkungen könnte es auf mein Bewusstsein haben, wenn ich mir diese Art von Information immer wieder zu Gemüte führe – höre oder sehe?
  • Ist das, was ich hier wahrnehme, meinem Wohlbefinden und meiner Gesundheit auch langfristig zuträglich?
  • Und welche Sinneseindrücke (Filme, Musik, Umgebung, Radiobeiträge, Literatur…) tun mir stattdessen wirklich gut?

Ich wünsche Ihnen spannende Erkenntnisse…